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Dolomit

DOLOMIT-Gestein dient zur Anreicherung von sauerem oder mineralstoffarmem Trinkwasser mit Calzium und Magnesium.

Mineralogie

Ein Gebirge dank Bakterien - aus GEO 04/96(S. 174). Vermutlich haben Mikroben das Gestein gebildet, aus dem die Dolomiten bestehen.

1791 erkannte der französische Naturforscher Dieudonne' de Dolomieu, daß ein markanter Teil der Alpen nicht, wie es schien, aus Kalkstein gebildet ist. Kurz darauf wurden das Mineral, das er entdeckt hatte, und das Gestein, in dem es vorherrscht, nach ihm benannt: Dolomit. Und die Berge, die daraus bestehen, heißen seitdem Dolomiten.

Seither gibt es aber auch das "Dolomit-Problem": Trotz intensiver Untersuchungen konnte nicht geklärt werden, wie das Mineral eigentlich entstanden ist. Dabei ist es ähnlich einfach wie Kalk gebaut.

Doch während sich beim Kalk lediglich Kalzium mit Kohlensäure zu einem Karbonat (CaCO3 ) verbindet, hat sich im Dolomit ein Calciumkarbonat- mit einem Magnesiumkarbonatmolekül sozusagen verheiratet:

CaMg(CO3) 2. Zweierlei ist theoretisch möglich: Das Magnesium war beim Aufbau des Moleküls von Anfang an dabei, oder es kam erst später hinzu, indem es einen Teil des Kalzium ersetzte.

Zwar läßt sich Dolomit bei hohen Temperaturen und hohem Druck im Labor erzeugen, doch Generationen von Mineralogen mühten sich vergebens, das auch in anderen Teilen der Welt verbreitete Mineral unter wahrscheinlichen natürlichen Bedingungen herzustellen. Erst jetzt ist das Forschern von der Eidgenössischen Technischen Hochschule ~TH) in Zürich gelungen - mit Hilfe von Bakterien.

Die Wende brachte Schlamm, den der ETH-Forscher Crisogono Vasconcelos aus einer flachen Lagune nahe der brasilianischen Metropole Rio de Janeiro mitgebracht hatte.

Analysen zufolge bilden sich in dem sauerstoffarmen Bodenmaterial Dolomit-Partikel. Außerdem leben in engem Kontakt mit dem Dolomit ungewöhnlich kleine Bakterien. Von diesen Einzellern aus der "Desulfovibrio"-Gruppe ist bekannt, daß sie Sulfat zu Schwefelwasserstoff zersetzen, und der Verdacht kam auf, daß sie ähnlich wie ein Katalysator wirken.

Im Labor zeigten dann die Bakterien, was sie können. In verschlossenen Glasröhrchen mit Nährstoffen, Quarzsand und den Bausteinen für Dolomit versorgt, wurden sie über ein Jahr lang bei vier Grad Celsius aufbewahrt. Als die Röhrchen geöffnet wurden, hatten die Bakterien wie erwartet stinkenden Schwefelwasserstoff produziert - aber auch Dolomit, der die Quarzkörnchen als höckrige Kruste umgab.

So spricht denn alles dafür, daß die malerischen Dolomiten mit ihren majestätischen Gipfeln und bizarren Felstürmen, mit Marmolada und Cristallo, Drei Zinnen und König Laurins Rosengarten noch viel staunenswerter sind - nämlich das Werk winziger Mikroben.

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